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Auslaufmodell Einzelpraxis?

Von den rund 117.500 niedergelassenen Vertragsärzten waren zum Ende des Jahres 2005 rund 43.000 Vertragsärzte in Gemeinschaftspraxen organisiert (Quelle: KBV). Zum 31.03.2007 waren im Bundesgebiet rund 733 Medizinische Versorgungszentren (MVZ) mit insgesamt 2.934 Ärzten am Start (Quelle: KBV). Statistische Erhebungen über andere Formen ärztlicher Kooperationen (bspw. Praxisgemeinschaften) liegen nicht vor. Der überwiegende Teil der Vertragsärzteschaft ist nach wie vor in Einzelpraxen organisiert.

Der Gesetzgeber hat mit dem zum 01.01.2004 in Kraft getretenen GKV-Modernisierungsgesetz (GMG), mit dem zum 01.01.2007 in Kraft getretenen Vertragsarztrechtsänderungsgesetz (VÄndG) sowie mit dem zum 01.04.2007 in Kraft getretenen GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (GKV-WSG) indes eine andere Zielrichtung vorgezeichnet: eine enge Vernetzung bis hin zu einer zentralisierten Gesundheitsversorgung aus einer Hand bei Überwindung der sektoralen Schranken. Hinweise hierfür hat der Gesetzgeber in vielfältiger Weise gegeben, bspw. durch die Etablierung des neuen Leistungserbringers MVZ, der auch in der Trägerschaft zugelassener Krankenhäuser stehen kann, oder durch die Legalisierung überörtlicher Kooperationsstrukturen (überörtliche Gemeinschaftspraxis), aber auch durch die Zulassung einer parallelen Tätigkeit als Arzt im Krankenhaus und als Arzt in der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung.

Trotz dieser mehr oder minder deutlichen Hinweise des Gesetzgebers reagiert die niedergelassene Vertragsärzteschaft eher schleppend auf die neuen Kooperationsstrukturen. Es ist aber festzustellen, daß bei stagnierenden oder sinkenden, jedenfalls nicht steigenden GKV-Einnahmen der Kostendruck stetig zunimmt und das Kollektivvertragssystem, das bislang zum Schutz der Vertragsärzte beigetragen hat, zugunsten von Einzelverträgen (integrierte Versorgung, hausarztzentrierte Versorgung usw.) zunehmend aufgeweicht wird. In Einzelpraxen organisierte Vertragsärzte werden sich schon deshalb mit dem Gedanken anfreunden müssen, sich auf Kooperationen mit niedergelassenen Kollegen, aber auch mit Krankenhäusern einlassen zu müssen, um dem Strukturwandel im Gesundheitswesen nicht zum Opfer zu fallen. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Selbstverständlich muß sich dabei niemand auf Kooperationen um jeden Preis einlassen. Es gilt aber, die Augen vor dieser Entwicklung nicht zu verschließen. Besser aktiv mitgestalten, als passiv von Dritten „gestaltet“ oder auch verdrängt zu werden.

26.07.2207
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