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Neubewertung des zweiten Staatsexamens?

Bei Durchfallen durch eine Prüfung ist guter Rat teuer. Eine Medizinstudentin hat jüngst versucht, auf rechtlichem Wege eine Neubewertung ihrer Staatsexamensprüfung zu erreichen. Dies hat das Verwaltungsgericht (VG) Mainz abgelehnt (Beschluß vom 10.07.2006, Az.: 7 K 735/05).

Zur Begründung hat das Verwaltungsgericht ausgeführt, die Neubewertung einer mündlichen Prüfung käme überhaupt nur dann in Betracht, wenn diese zeitnah erfolgen würde. Da in dem vorliegenden Verfahren aber bereits mehr als ein Jahr nach der Prüfung vergangen war, sah das Gericht eine Neubewertung als kaum mehr möglich an, da die Erinnerungsgrenze der Prüfer wohl überschritten sei.

Dieser Problembereich gewinnt deswegen eine besondere Bedeutung, weil mündliche Prüfungen hier nur in groben Zügen protokolliert werden, nämlich hinsichtlich des Verlaufs und des Gegenstands der Prüfung, des Prüfungsergebnisses sowie etwa vorkommender schwerer Unregelmäßigkeiten. Es werden jedoch keine Fragen und Antworten im einzelnen protokolliert, aus denen sich die Prüfung detailliert rekonstruieren lassen würde, wobei – in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts – eine solche Praxis im vorliegenden Verfahren durch das Gericht nicht beanstandet worden ist.

Des weiteren sah das Gericht auch das Gebot der Fairneß bei der mündlichen Prüfung der Klägerin nicht als verletzt an, obwohl einige Äußerungen von Prüfern als sicher ungeschickt und wenig einfühlsam zu bewerten waren. Jedoch könne ein Verstoß gegen das Gebot der Fairneß erst dann angenommen werden, wenn Äußerungen fielen, die den Prüfling persönlich herabwürdigten, was objektiv aus dem Blickwinkel eines „verständigen Prüflings“ zu bewerten sei, der in der gegebenen Situation einem entsprechenden Verhalten oder einer entsprechenden Bemerkung des Prüfers ausgesetzt wäre.

Bei Bewertung der Vorkommnisse in der Prüfung auf der Grundlage dieses Maßstabes sah das Gericht die Fairneß des Prüfungsverfahrens als gewahrt an, so daß auch insoweit das Prüfungsergebnis nicht aufzuheben war.

Die Klage hatte somit insgesamt keine Aussicht auf Erfolg. Das VG hat daher den von der Klägerin vorgeschalteten Antrag auf Gewährung von Prozeßkostenhilfe abgelehnt.

10.08.2006
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RA Dr. Bernd Halbe
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